„Mein Leben und Ich“
Bevor ich beginne, möchte ich ehrlich sein: Die richtigen Worte für diesen Abend zu finden, war schwer. Sehr schwer. Aber dank Sabine Eichler stehe ich heute hier – und darf mein Leben mit euch teilen. Zu mir: Ich bin seit etwa zwei Jahren Teil des Club’82. Wir haben bereits gemeinsam gelacht, gesprochen, erlebt. Ich bin 33 Jahre alt. Und wieder einmal stehe ich an einem Neuanfang. Warum ich heute hier bin? Weil es mein Ziel ist, meine Geschichte weiterzugeben. Nicht, weil sie besonders ist. Sondern weil sie echt ist. Jeder Mensch trägt seine eigene Geschichte in sich. Allein. Mit anderen.
rewalk – Momente, die für immer bleiben
Seit ich mein Gerät habe und Teil einer Gruppe bin, die dank modernster Technik wieder laufen kann, durfte ich in all den Jahren sehr viele besondere Momente mit tollen Menschen erleben und teilen. Ob es die wöchentlichen Einheiten in meiner Physiotherapie sind, in denen ich zweimal pro Woche mit Unterstützung aufstehen und das Laufen wieder erlernen durfte – Treppen, Türen und das aufrechte Gehen. Oder auch die Zeit während der Corona-Pandemie zu Hause mit Freunden und Familie, die unbeschreiblich lehrreich war. Ebenso bleiben mir die Erfahrungen in Kindergärten mit neugierigen Kindern oder 2017 auf der Reha in Karlsruhe für die Ewigkeit in Erinnerung. Sie zeigen mir immer wieder, was mein persönliches Ziel ist.
Boccia Alzenau
Rhein-Main e.V.
Seit Anfang 2025 spiele ich nun auch Boccia, sowohl mit als auch ohne Menschen mit Behinderung. Basketball alleine reichte mir nicht – ich wollte etwas Neues ausprobieren. Ich überlegte lange, was noch passen könnte: Handball oder Fußball waren zunächst ausgeschlossen. Handbiken, Skaten, Schwimmen – vieles kam in Frage. Und dann, eher zufällig, stieß ich auf Boccia im Raum Alzenau. Von Anfang an fühlte ich mich willkommen und herzlich aufgenommen. Einige Gesichter kannte ich sogar schon, und so lernten wir gemeinsam die Grundlagen des Boccia-Spiels.
Projektwoche im Gymnasium
Jedes Jahr organisieren die Schülerinnen und Schüler des Hanns-Seidel-Gymnasiums eine Projektwoche. Im Jahr 2024 wurde diese in Zusammenarbeit mit Mitgliedern des Team 99 Aschaffenburg durchgeführt. Gemeinsam mit Julia und Kris, der erst kürzlich zum Team gestoßen ist, plante ich Übungen und Ideen für diese Woche. Wir überlegten, welche Aktivitäten sich besonders gut für den Einstieg eignen und gleichzeitig die Stärken der Schüler fördern. Auf dem Programm standen unter anderem Passübungen, Dribblings, Korbleger sowie Stop-and-Go Übungen kurz gesagt: alles, was Spaß macht und neue Erfahrungen ermöglicht.
4. Inklusionslauf Aschaffenburg 06.Okt. 2024
Da meine Physiotherapeutin an diesem Tag verhindert war, fragte ich Sabine Eichler, ob sie Lust hätte, mit mir zu laufen, und organisierte gleich die Anmeldung. Ich informierte mich über die Strecke und die Kilometeranzahl – ein ganzes Stück, das ich bisher noch nicht gelaufen war! Bergauf, bergab – das würde anstrengend werden. „Schaffe ich das?“ fragte ich mich. Aber eines war klar: Ich will ins Ziel laufen
Mit dem Rollstuhl durch
die Stadt
Wir, das Boccia-United-Team des Inklusionssportzentrums Alzenau Rhein-Main e.V., hatten die Gelegenheit, den Menschen Boccia zu zeigen – sowohl im Rollstuhl als auch für Menschen mit Behinderung – und gemeinsam zu spielen. Leider war der Boden draußen nicht so eben wie in der Halle, aber wir haben das alle super gemeistert. Es ging ja vor allem darum, erste Erfahrungen mit Inklusion zu sammeln.
Kindergarten Vortrag
Ja, jedes Jahr tue ich etwas für mich. 2024 – einen Tag vor meinem Unfalltag – war ich gemeinsam mit meinem Robo, liebevoll „Miststück“ genannt, zu Gast im Kindergarten St. Christophorus in Goldbach. Der Kontakt entstand durch eine Freundin vom Rollstuhlbasketball. Ein Tag, der für immer in meinem Herzen bleiben wird. Warum? Das erzähle ich euch gern. Schon beim Ankommen wurde ich unglaublich herzlich empfangen. Unzählige große, neugierige Kinderaugen warteten gespannt darauf, was passieren würde. Die Kleinen beobachteten mich bereits vom Fenster aus, als ich aus dem Auto stieg, meinen Rollstuhl herausholte und dieses ganz besondere „Etwas“ aus dem Kofferraum hob. Der Grund für dieses Treffen war ein ganz besonderer: Die Kinder sollten lernen, dass jeder Mensch einzigartig ist – und wir trotzdem alle gleich sind. Für mich ein Herzensthema. Ich stehe für Inklusion und Integration.